Bundesliga: Sturm fühlt sich für Balanceakt gerüstet

Die Steirer, die vergangene Saison in der Meistergruppe nur Red Bull Salzburg und Rapid Wien den Vortritt lassen musten, versuchen in der neuen Saison auf europäischem Parkett Erfolg zu haben, ohne auf dem nationalen abzurutschen. „Wir wollen nicht als Touristen durch Europa fahren. Wir wollen eine gute Rolle spielen“, wurde etwa Hierländer in der APA zitiert. Trainer Ilzer betonte hingegen die Wichtigkeit der Admiral Bundesliga: „Unser tägliches Brot ist die Liga.“ Sturm empfängt zum Auftakt am Freitag (20.30 Uhr) gleich Meister Salzburg.

Hierländer war bei den letzten schwarz-weißen Kurztrips durch Europa dabei. Auf Städtereisen, etwa nach Haugesund (Norwegen), Amsterdam und Larnaka (Zypern), setzte es aber durchwegs Niederlagen. Nach zehn Jahren erlebt das Grazer Publikum nun fix wieder eine europäische Gruppenphase. Scheitern die „Blackies“ in der letzten Qualirunde vor der Europa League im Play-off (ab 19. August), steigen sie in die neu geschaffene Conference League um.


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Trainer Ilzer und seine Spieler müssen den Spagat zwischen Liga und Europacup schaffen

„Wir haben zwar eine Gruppenphase fix, aber wir wollen das Play-off gewinnen. Ich will unbedingt in die Europa League“, sagte Hierländer. „Es gilt, auch für die österreichische Liga endlich Punkte zu sammeln. Das sollten wir schon im Hinterkopf haben.“ Tatsächlich ist der Koeffizient der Grazer, der sich wesentlich aus dem Verbandsbeitrag zusammensetzt, mit 7,165 ziemlich ausbaufähig. Salzburg (59), LASK (21), Rapid (17), WAC (11) und die Austria (10) sammelten im Vergleich über fünf Jahre jeweils mehr Punkte als die Steirer (4,5).

Meistergruppe erstes Ziel

Dass Sturm gleich die erste Saison unter Ilzer knapp hinter Rapid als Tabellendritter abschloss und neben defensiver Kompaktheit auch spielerisch überzeugte, hinterließ Eindruck. Die Konkurrenz hat die Truppe um Jon Gorenc-Stankovic, Kelvin Yeboah und Jakob Jantscher weiter dick auf dem Zettel, wie die traditionelle APA-Umfrage unter den zwölf Trainern vor der Saison ergab. Im Cup schoss sich Sturm mit einem 9:0 gegen Regionalligisten Stadl-Paura für die mit dem Schlager gegen Salzburg beginnende Liga warm.

In Graz wagt man sich vorerst nicht aus der Deckung. „Wir wollen einmal in erster Linie in die Meistergruppe kommen, dann werden weitere Ziele definiert“, sagte Ilzer. „Wir haben eine richtig gute Saison hinter uns, die müssen wir bestätigen. Wir haben eine junge Mannschaft, bekommen den Europacup dazu – das wird nicht so einfach“, sagte Ilzer, der sich in der vierwöchigen Vorbereitung alten und neuen Inhalten widmete.

Andreas Kuen (Sturm), Marco Antonia Herrera und Darko Gabric (beide Stadl-Paura).


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Den ersten Härtetest bestand Sturm (in Schwarz) im Cup gegen Stadl-Paura souverän

„Es war sicher ein Thema, unsere Grundprinzipien in diesen vier Wochen der Vorbereitung aufzufrischen und zu festigen. Und dann natürlich auch Dinge flexibler zu machen und uns in ein paar Varianten ein wenig schwerer ausrechenbar zu machen.“ Neben Variantenreichtum wird Sturm auch Frische brauchen. Eine höhere Belastung mit Begleitumständen wie Reisestrapazen, Müdigkeit, fehlender Detailvorbereitung auf den nächsten Gegner und weniger zielgerichtetem Training als üblich wartet. Intensive Monate, in denen Sturm weiter den von Ilzer ausgegebenen „Vollgasfußball“ praktizieren soll.

Mehrere Verstärkungen

Das Kadergerüst bei den Grazern steht jedenfalls fest. Mit Innenverteidiger David Nemeth verließ nur ein Schlüsselspieler den Verein. Ein Stürmer und Innenverteidiger könnten unterdessen noch in Graz aufschlagen. Dass das Gros der Spieler die gefragten Prinzipien intus hat, erleichtere den Spagat. Hierländer: „Wir arbeiten viel daran zu marschieren. Viele Spieler sind da, die diese Philosophie kennen. So gesehen fällt ein Schritt weg, den wir letztes Jahr gehen mussten.“

Den Neuzugängen Manprit Sarkaria, Alexander Prass und David Affengruber traut man in Graz eine schnelle Integration zu. „Das Positive ist, dass wir eine sehr homogene Mannschaft sind, da ist es auch leichter, sich als neuer Spieler zu integrieren“, meinte Hierländer. Die Neuen sowie bisher recht wenig spielende Akteure aus der eigenen Akademie werden gebraucht werden. „Ich bin kein Fan von Rotation. Ich will die, die spielen, auf Zug halten“, sagte Ilzer. „Aber zu rotieren wird heuer nötig sein, das ist klar.“