Djokovic: Aufschlag oder Abschiebung – wie geht es mit Novak weiter? – Sport-Mix

Ob Novak Djokovic (34) bei den Australian Open (vom 17. bis 30. Januar) starten wird oder nicht, liegt in den Händen australischer Gerichte. Was der serbische Tennis-Star auf jeden Fall schon geschafft hat: Er hat die Sport-Welt gespalten.

Sein Vater Srdjan (61) vergleicht ihn mit dem gekreuzigten Jesus, Spartacus und erhebt ihn zum „neuen Führer der freien Welt“. Australische Medien dagegen machten den Djoker zum fiesen Joker (Batmans Gegenspieler, Anm. d. Red.). „Schamlos“, „Angewidert“, „Heuchelei“ – so lauteten die Schlagzeilen.

BILD beantwortet die wichtigsten Fragen zum Fall Djokovic.

Warum wurde Djokvic die Einreise verweigert?

Djokovic hat eine Ausnahmegenehmigung zur Teilnahme an den Australian Open wegen seiner überstandenen Corona-Infektion erhalten, wie die australische Nachrichtenagentur AAP berichtet. Zu wenig für die Einreise! Aus Sicht der australischen Regierung und des Grenzschutzes waren die Kriterien dafür nicht erfüllt. Unklar, ob er auch medizinische Gutachten vorgelegt hat.

Djokovic bei seiner Ankunft am Flughafen in Melbourne, der Serbe wird bei der Einreise nach Australien gestopptFoto: UGC/via REUTERS

Australiens Innenministerin Karen Andrew sagte dazu: „Es wird viel über das Visum gesprochen. Das Visum ist nach meinem Verständnis aber gar nicht das Problem – es sind die Einreisevoraussetzungen.“

Wie ist Djokovic’ Impfstatus?

Der Weltranglistenerste macht daraus ein Geheimnis. Aber offenkundig ist er ungeimpft, ansonsten hätte er problemlos nach Australien einreisen können. Ausnahme: Er wäre mit einem in Down Under nicht anerkannten Impfstoff geimpft. Da sich der Serbe jedoch stets gegen Impfen ausspricht, ist davon nicht auszugehen.

Was erkennt Australien als „Ausnahme von einer vollständigen Impfung“ an?

Die Einreiseregeln in Australien sind sehr streng. Das Gesundheitsministerium akzeptiert fünf Gründe, die „eine vorübergehende Ausnahme von einer vollständigen Impfung“ für eine Einreise möglich machen.

▶︎ eine entzündliche Herzerkrankung in den letzten drei Monaten

▶︎ eine akute schwere Erkrankung

▶︎ eine Corona-Infektion nach dem 1. August 2021

▶︎ schwerwiegende körperliche Folgen nach einer Dosis eines Covid-Impfstoffs.

▶︎ ein großes Impfrisiko

Was trifft davon auf Djokovic zu?

Die ersten zwei Punkte kann der Serbe kaum angeführt haben, ansonsten sollte er eh nicht auf dem Tennisplatz stehen. Auch die angeblich angeführte Corona-Infektion kann Djokovic nicht geltend machen, weil er diese bereits im Juni 2020 hatte. Auch der vierte Punkt entfällt, weil er offenkundig ungeimpft ist. Bleibt also nur das große Impfrisiko, welches er offenbar bei der Einreise nach Australien nicht ausreichend begründen konnte.


Ein erstes Lebenszeichen aus dem Abschiebe-Hotel. Djokovic schreibt bei Instagram: „Danke an alle auf der ganzen Welt für ihre anhaltende Unterstützung. Ich kann es fühlen und schätze es sehr!“
Ein erstes Lebenszeichen aus dem Abschiebe-Hotel. Djokovic schreibt bei Instagram: „Danke an alle auf der ganzen Welt für ihre anhaltende Unterstützung. Ich kann es fühlen und schätze es sehr!“Foto: instagram.com/djokernole

Was führt Djokovic für Gründe an?

Was Djokovic für Dokumente bzw. Begründungen vorgelegt hat, ist nicht bekannt. Der Tennis-Profi schweigt dazu.

Wie die serbische Zeitung „Kurir“ behauptet, mache Djokovic eine Glutenunverträglichkeit geltend. Sie würde angeblich ernsthafte Komplikationen verursachen können, wenn er gegen Covid-19 geimpft werden würde. Ein Wissenschaftler aus Cambridge soll ihm bestätigt haben, dass der Impfstoff ihm schaden könnte.

Sollte man sich bei Gluten-Unverträglichkeit wirklich nicht impfen lassen?

Impfarzt und Internist Dr. Thomas Aßmann zu BILD: „Es gibt keinen medizinischen Hinweis darauf, dass Menschen mit Glutenunverträglichkeit die Impfstoffe nicht vertragen.“ Der Ärzteverband Deutscher Allergologen (AEDA) rät, dass Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten mindestens 15 Minuten nach Impfung unter medizinischer Beobachtung bleiben.“

Was gibt es für medizinische Gründe sich nicht impfen zu lassen?

Aßmann: „Gegen eine Corona-Impfung sprechen nur schwere Allergische Reaktionen auf die erste oder zweite Corona-Impfdosis, eine Allergie gegen den Emulgator PEG oder schwere allergische, ungeklärte Reaktionen gegen andere Impfstoffe.“

Kurzfristig sollte sich auch niemand impfen lassen, der akut schwer erkrankt ist. Das gilt auch für Menschen, die sich z.B. gerade einer Chemotherapie unterziehen.

Wird Djokovic in Australien festgehalten?

Nein, wie Innenministerin Andrews gegenüber dem Sender ABC News klarstellte: „Herr Djokovic wird nicht in Australien gefangen gehalten, er kann jederzeit gehen, und der Grenzschutz wäre dabei behilflich.“

Gibt es eine Impfpflicht für Tennis-Profis?

Nein, die Entscheidung kann jeder Turnier-Veranstalter selbst treffen. Bei den Australian Open ist die Impfung erstmals bei einem Top-Turnier Pflicht.

Wie viele Spieler sind in Melbourne ebenfalls ungeimpft?

Craig Tiley, Chef der Australian Open, hat bestätigt, dass Djokovic nicht der einzige ungeimpfte Profi bei den Australian Open gewesen wäre. Insgesamt sollen 26 Spieler einen Ausnahme-Antrag beim Veranstalter gestellt haben, „eine Handvoll“ soll genehmigt worden und zumindest teilweise auch schon eingereist sein.

Aktuell untersuchen australische Grenzbeamte die Fälle von zwei weiteren Tennis-Profis, die ungeimpft ins Land eingereist sind. So wurde jetzt auch der tschechischen Spielerin Renata Voracova (38) das Visum entzogen. Sie musste daraufhin in dem gleichen Hotel wie Djokovic einziehen und soll das Land verlassen. Ihre angeführte Corona-Erkrankung soll zu lange zurückliegen.

Der geimpften Russin Natalia Vikhlyantseva (24) wurde die Einreise verweigert, weil der russische Impfstoff Sputnik V in Australien nicht anerkannt ist.

Wie geht es mit Djokovic weiter?

Aktuell befindet sich der Serbe in einem Hotel für Ausreisepflichtige in Melbourne und wartet auf eine Verhandlung am Montag. Dort soll vor Gericht entschieden werden, ob er in Australien bleiben darf.

Warum wäre eine Nicht-Teilnahme für Djokovic so bitter?

Der Serbe könnte mit einem Sieg in Melbourne gleich zwei Rekorde ausbauen bzw. aufstellen. Zum einen hätte er seinen 10. Triumph (!) bei den Australian Open feiern können, zum anderen hätte er seinen 21. Grand-Slam-Titel einfahren und somit seinen Rivalen Rafael Nadal und Roger Federer (je 20) enteilen können.

Drohen dem Serben auch in anderen Ländern Einreise-Probleme?

Das bleibt je nach Entwicklung der Corona-Lage abzuwarten. Bei den French Open in Paris (16. Mai bis 5. Juni) dürfte Djokovic ungeimpft spielen, wie die französische Sportministerin Roxane Maracineanu jetzt verkündete.