Formel 1: Red Bull wittert Weltmeisterluft

Schon acht Grand-Prix-Siege hat der Niederländer heuer bejubelt, sein Titelkonkurrent Lewis Hamilton kommt lediglich auf fünf. „Ich habe immer gesagt, dass wir zehn Siege brauchen werden, um Weltmeister zu werden“, berechnete Red-Bull-Berater Helmut Marko. „Fehlen uns nur zwei“, so der Steirer nach dem Rennen in Austin. Für Verstappen sprechen laut Marko die nächsten beiden Stationen Mexiko und Brasilien – unklar ist, ob es den Vorteil dort wirklich gibt.

In Austin lag Verstappen am Ende nach zwei vorgezogenen Boxenstopps nur 1,3 Sekunden vor Hamilton im Aufholmodus. Dritter wurde Sergio Perez im zweiten Red Bull. „Die letzten zwei Runden waren definitiv schwierig für die Reifen, da war nicht mehr viel Grip“, sagte Verstappen. „Aber dann zwei Runden vor Schluss war der Haas (Mick Schumacher, Anm.) vor mir, dadurch konnte ich das DRS verwenden, so sind wir vorne geblieben.“ Hamilton meinte: „Wir haben alles gegeben, und sie waren einfach schneller.“

Red Bull Sieger im Taktikpoker

Red Bull hatte sich dafür entschieden, mit den Boxenstopps früh die Karten auf den Tisch zu legen, musste so aber darauf hoffen, dass Verstappens dritter Reifensatz im Finish nicht unerwartet stark abbaut. Der Brite Hamilton war mit frischeren Reifen flotter unterwegs als sein Titelkonkurrent.

„Wir wussten, dass er am Ende so schnell ist, und er hatte sich einen Vorteil mit dem späteren Stopp verschafft“, erklärte Red-Bull-Teamchef Christian Horner die Ausgangsposition im Zweikampf. „Max hat das Rennen dann superb verwaltet, speziell in seinem letzten Stint auf dem harten Reifen.“

„Hamiltons Krone rutscht“

Im Wettrennen um den Titel hat Verstappen nun einen gewissen Vorteil. „Wir haben befürchtet, dass wir nach Russland, der Türkei und den USA mit einem Rückstand dastehen werden. Das macht uns jetzt Mut“, sagte Marko im ORF-Interview. „Lewis Hamiltons Krone rutscht, als Max Verstappen die Nerven behält und die Führung im Titelrennen ausbaut“, schrieb die Londoner „Times“.

Motorhome: „Keine g’mahte Wiesn“

Die ORF-Experten rund um Ernst Hausleitner und Alexander Wurz analysieren den Sieg Verstappens in den USA und die Ausgangslage für die kommenden WM-Rennen.

Der Niederländer ist auf dem Weg, Großes zu schaffen und Hamiltons Traum vom alleinigen Titelrekord mit Triumph Nummer acht zumindest in diesem Jahr zu zerstören. Die nächsten zwei Etappen verheißen für Red Bull jedenfalls Gutes, denn sowohl in der Höhenlage von Mexiko-Stadt wie auch in Sao Paulo fühlten sich die von Staringenieur Adrian Newey entworfenen Boliden in der jüngeren Vergangenheit wohl.

Hamilton weiß: „Das wird hart“

„Die nächsten Strecken sind sehr starke Kurse für Red Bull. Das wird hart. Ganz sicher“, sagte Hamilton, der zuvor in Texas fünf von acht Rennen gewonnen hatte. Verstappen triumphierte 2017 und 2018 in Mexiko, dazu 2019 in Brasilien. „Mercedes war aber nie wirklich schlecht dort. Eine g’mahte Wiesn ist das nicht“, meinte ORF-Experte Alexander Wurz dazu.

Hamilton war beim mexikanischen Grand Prix 2016 und 2019 erfolgreich, in Brasilien holte er 2016 und 2018 den Sieg. Im Vorjahr fielen beide Rennen der CoV-Pandemie zum Opfer und wurden nicht ausgetragen. Nach Mexiko-Stadt und Sao Paulo bildet Katar den Abschluss dieses letzten Triple-Headers (drei Rennen an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen im November) in der WM-Saison. Die Rechnung bei Red Bull heißt, zwei Siege müssen noch her – und vorzugsweise so schnell wie möglich. „Dann können wir beruhigt ins Finish im Nahen Osten gehen“, sagte Marko.

Saisonfinish wird „wirklich spannend“

„Wir wissen, dass es ein paar Rennen gibt, wo Mercedes den Vorteil haben wird, und ein paar, wo wir stark sein werden. Der Rest der Saison wird wirklich spannend“, sagte Horner. „Ich glaube nicht, dass es ein bestimmtes Muster gibt, wem welche Strecke besser liegt“, meinte hingegen Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

„Wir müssen einfach Druck machen und Druck machen und hoffen, sodass wir hoffentlich in einer Situation sind, bis zum allerletzten Rennen um die Weltmeisterschaft zu kämpfen.“ Die Chancen seien „absolut intakt, es ist alles offen. In einem Rennen kann es sich entscheiden, wenn einer stehen bleibt.“

Grand Prix der USA in Austin

Endstand nach 56 Runden (308,405 km):
1. Max Verstappen NED Red Bull 1:34:36,552
2. Lewis Hamilton GBR Mercedes + 1,333
3. Sergio Perez MEX Red Bull 42,223
4. Charles Leclerc MON Ferrari 52,246
5. Daniel Ricciardo AUS McLaren 1:16,854
6. Valtteri Bottas FIN Mercedes 1:20,128
7. Carlos Sainz ESP Ferrari 1:23,545
8. Lando Norris GBR McLaren 1.24,395
9. Yuki Tsunoda JPN Alpha Tauri 1 Runde
10. Sebastian Vettel GER Aston Martin 1 Runde
11. Antonio Giovinazzi ITA Alfa Romeo 1 Runde
12. Lance Stroll CAN Aston Martin 1 Runde
13. Kimi Räikkönen FIN Alfa Romeo 1 Runde
14. George Russell GBR Williams 1 Runde
15. Nicolas Latifi CAN Williams 1 Runde
16. Mick Schumacher GER Haas 2 Runden
17. Nikita Mazepin RUS Haas 2 Runden