Verstappen halbe Sekunde vor Mercedes

(Motorsport-Total.com) – Max Verstappen hat sich im zweiten Freien Training zum Grand Prix von Mexiko 2021 souverän die Bestzeit gesichert. Der Red-Bull-Fahrer verwies die beiden Mercedes-Piloten um rund eine halbe Sekunde auf die Plätze und untermauerte damit seine Favoritenstellung in der Höhenluft von Mexiko-Stadt (2.285 Meter über Meereshöhe).

Max Verstappen sicherte sich die Bestzeit im zweiten Freien Training in Mexiko
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Auch bei den abschließenden Longrun-Tests hinterließ Verstappen einen grundsoliden Eindruck. Wie überhaupt Red Bull erwartungsgemäß stark aufgestellt zu sein scheint. Lokalmatador Sergio Perez erholte sich von seinem kleinen Crash am Vormittag und belegte im zweiten Training den vierten Platz, 0,570 Sekunden hinter seinem Teamkollegen.

Inwieweit Mercedes Red Bull in Mexiko ernsthaft herausfordern kann, ist nach dem ersten Trainingstag schwierig einzuschätzen. ‘Sky’-Experte Timo Glock sieht allerdings Vorteile bei Verstappen, denn: “Hamiltons Auto sieht in der Balance nicht so optimal aus”, hat er mit geschultem Auge beobachtet.

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Glock weiter: “Hamilton kam auf dem harten Reifen gar nicht in Schwung. Der hat keine Runde zusammengebracht. Da hat die Balance überhaupt nicht gepasst. Die Balance muss ganz klar dahin gehen, dass die Hinterachse stabiler wird. Damit haben sie ein Problem. Auch beim Einlenken schon. Damit ist Hamilton sicher nicht zufrieden.”

Ganz anders Glocks Urteil über Verstappen: “Das Auto bleibt auch über die Kerbs extrem ruhig, weil es einfach sehr gut in der Balance ist – weil er das aber auch fahrerisch sehr gut umsetzt. Ich glaube, Hamilton kann das Auto einfach nicht so gut platzieren, wie Verstappen das hinbekommt. Hamilton hatte in den schnelleren Kurven eher ein bisschen Untersteuern, teilweise aber auch Übersteuern.”

Bei Mercedes weiß man, dass Red Bull eine harte Nuss zu knacken wird: “Die sind im Moment einfach schneller”, sagt Hamilton. “Wir müssen versuchen, das mit dem Set-up wettzumachen. Aber es fehlt uns an Downforce.” Bottas nickt: “Der Red Bull scheint ein bisschen zu schnell zu sein. Zumindest auf eine Runde, mit dem weichen Reifen.”

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Mit Respektabstand auf die beiden Topteams bildete sich ab Platz fünf ein eng beisammen liegendes Verfolgerfeld, angeführt von Carlos Sainz (Ferrari/+1,017) vor Pierre Gasly (AlphaTauri/+1,128), Charles Leclerc (Ferrari/+1,304) und Yuki Tsunoda (AlphaTauri/+1,343).

Ferrari (P5/7) hatte damit den besseren Start ins Wochenende als McLaren (P12/15). Für Daniel Ricciardo war der Nachmittag nach nur sieben Runden gelaufen. Seine Mechaniker montierten an der Box den Unterboden ab und mussten von diesem erstmal jede Menge ausgelaufenes Öl abwischen. Danach wurde Ricciardo nicht mehr auf der Strecke gesehen.

Offenbar handelte es sich bei dem Problem um einen Getriebedefekt. “Wir haben ein Problem am Freitagsgetriebe entdeckt, den wir jetzt in der Garage untersuchen”, hieß es noch während der Session seitens McLaren. Ricciardo belegte letztendlich mit 2,220 Sekunden Rückstand auf Verstappen den 15. Platz.

Technische Probleme gab’s auch bei Williams-Pilot George Russell. Nach etwa einer Viertelstunde meldete er Getriebeprobleme an die Box. Am Boxenfunk mit seinem Renningenieur wurde er ziemlich ungeduldig: “Kann ich jetzt Gänge wechseln, ja oder nein?” Schlussendlich fuhr er ohne Gangwechsel zurück.

Erst als Russell schon wieder an der Box stand, wurde von der TV-Regie eine womöglich damit in Zusammenhang stehende Szene eingespielt. Denn als Russell aus der Box gefahren war, hatte ein Mechaniker rechts hinten eine Schraube noch nicht festgezogen. Diese fiel ausgerechnet in den Bereich, wo sich das Getriebe befindet.

Ein Mechaniker schlug angesichts der Panne die Hände über dem Kopf zusammen. Allerdings gibt es zwischen dem Getriebe und der losen Schraube “keinen Zusammenhang”, bestätigt Williams auf Anfrage von ‘Motorsport-Total.com’. Der Defekt sei unabhängig davon aufgetreten und müsse jetzt untersucht werden. Für Russell war die Session nach nur zwei Runden zu Ende. Bitter: Anders als bei Ricciardo handelte es sich bei ihm um ein Renngetriebe.

Und die beiden Deutschen? Sebastian Vettel (Aston Martin) setzte seine persönliche Bestzeit bereits früh in der Session. Umso positiver, dass er Neunter wurde, nur 0,363 hinter P5 und eine Sekunde vor Teamkollege Lance Stroll (17.). Und Mick Schumacher (Haas) belegte Rang 16. Auch er setzte sich deutlich, um 1,961 Sekunden, gegen Nikita Masepin durch.

“War ein guter Start ins Wochenende. Hat Spaß gemacht, trotz der rutschigen Strecke”, sagt Vettel. “Wir haben Wissen über die Reifen aufgebaut. Wir wissen noch nicht genau, wo wir stehen, weil die Strecke immer schneller geworden ist. Wir haben aber gute Fortschritte gemacht und ich schätze, dass es ziemlich eng wird in den Top 10. Q3 ist das Ziel, aber ich glaube, dass auch die anderen noch zulegen können.”