Winterspiele in China: Olympia in einer Schutzblase

Stand: 12.01.2022 11:01 Uhr

Trotz rigoroser Schutzmaßnahmen steigen drei Wochen vor den Olympischen Spielen in China die Corona-Zahlen. Die Spiele selbst werden abgeschottet stattfinden. Einige Regeln lösten Verwunderung aus.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Trotz der steigenden Coronavirus-Zahlen halten die chinesischen Organisatoren an den Olympischen Spielen fest. Die Winterspiele sollen in drei Wochen beginnen und abgeschottet vom Rest des Landes stattfinden.

Man werde mit allen Mitteln versuchen, einen großen Ausbruch innerhalb der Olympia-Blase zu verhindern, sagte Huang Chun vom lokalen Organisationsteam auf einer virtuellen Pressekonferenz. Sollte es aber dennoch zu einem großen Covid-Ausbruch bei den Winterspielen kommen, werde dies sicherlich einen Einfluss auf die Spiele und deren Ablauf haben. Man halte sich deshalb Optionen offen, so Huang Chun weiter, ohne konkret zu werden.

Spezielle Rettungskräfte für Athleten

Für Aufsehen sorgte jüngst die Aufforderung, dass Chinesinnen und Chinesen nicht helfen sollen, wenn sie ein Fahrzeug mit Olympia-Teilnehmern sehen, das in einen Verkehrsunfall verwickelt ist. Es gebe spezielle Rettungskräfte, die nur für die Olympischen Spiele zuständig seien, hieß es zur Erklärung. Hintergrund ist Chinas strikte Null-Covid-Politik.

Mehrere Großstädte im Lockdown

Mehrere chinesische Großstädte befinden sich im Lockdown. Darunter Yuzhou mit rund einer Million und Anyang mit fünf Millionen Einwohnern, beide im Landesteil Henan. Seit drei Wochen dürfen außerdem die Menschen in der 13-Millionen-Metropole Xi’an ihre Häuser und Wohnungen nicht verlassen.

Kaum Verkehrsverbindungen verfügbar

Auch in der nordostchinesischen Wirtschaftsmetropole Tianjin gelten zahlreiche Beschränkungen für die 14 Millionen Einwohner. Fast alle Flugverbindungen aus Tianjin wurden gestrichen, auch Busse und Züge gibt es kaum noch aus der Stadt heraus. In manchen Stadtteilen müssen die Menschen zuhause bleiben.

In der Hafenstadt Tianjin wurden am Wochenende mindestens zwei lokal übertragene Omikron-Fälle gemeldet. Die Behörden testen nun alle Einwohner der Stadt. Wie viele der jüngsten Covid-Fälle in der Volksrepublik der hochansteckenden Omikron-Variante zugerechnet werden, haben die Behörden nicht mitgeteilt.

Unklar ist nach wie vor, wie gut die chinesischen Impfstoffe vor Omikron schützen. Studien deuten auf einen deutlich geringeren Schutz als bei mRNA-Impfstoffen hin. Impfstoffe wie die von BioNTech/Pfizer oder Moderna sind in China nicht zugelassen.

Zahlen steigen auch in Hongkong

Auch in Hongkong steigen die Fallzahlen. Die Behörden in der chinesischen Sonderverwaltungsregion berichten von insgesamt fast 50 lokalen Omikron-Ansteckungen. Deshalb werden neben Bars und Fitnesscentern ab Freitag auch Kindergärten und Grundschulen in Hongkong geschlossen.

Regierungschefin Carrie Lam kündigte an: “Bis mindestens nach den Feiertagen zum chinesischen neuen Jahr Anfang Februar sollen Kindergärten und Schulen in Hongkong geschlossen bleiben. Man könne diese nur wieder öffnen, wenn bis dahin die Pandemielage unter Kontrolle sei. Dann soll auch an den Schulen geimpft werden.”

Drei Wochen vor Olympia: Corona-Zahlen in China steigen

Benjamin Eyssel, ARD Peking, 12.1.2022 · 09:35 Uhr